künstliche Befruchtung



Wenn es auf natürlichem Wege nicht klappt.

Kann ich mit ärztlicher Hilfe schwanger werden? /Künstliche Befruchtung

Die Wahrscheinlichkeit, in einem normalen Zyklus schwanger zu werden beträgt nur 15 bis 20 Prozent. Allerdings kommt es innerhalb von einem Jahr bei ungefähr 80 Prozent der Paare zu einer Schwangerschaft, sofern keine speziellen Störungen vorliegen. Von Unfruchtbarkeit(Sterilität) spricht man erst, wenn nach zwei Jahren regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs (mindestens zwei Mal pro Woche) keine Schwangerschaft eintritt.

Ungewollt Kinderlos zu sein, ist leider kein seltenes Phänomen und betrifft weltweit viele Paare. Nach Schätzungen sind 20-25% aller Paare in Deutschland ungewollt Kinderlos! Die Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit liegen bei 1/3 bei der Frau, zu 1/3 beim Mann und zu 1/3 bei beiden Partnern.

Die Ursachen können sehr vielfältig sein. Bei der Frau spielen z.B. Hormonstörungen, organische Ursachen (z.B. Verschluss der Eileiter, Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut oder Missbildung der Gebärmutter..) eine Rolle. Außerdem hat Stress eine große Bedeutung. Beim Mann finden sich ebenfalls neben hormonellen auch organische Ursachen. Eine Rolle spielen z.B. Verschluss der Samenwege, Hodenhochstand oder Hodenentzündung als Komplikation bei Mumps. Umwelteinflüsse, Medikamente, chronische Krankheiten wie Diabetes oder auch Partnerschaftskonflikte können von Bedeutung sein. Manchmal kommt sogar eine Unverträglichkeit (Allergie) von Sperma und Gebärmutterschleim vor.

Generell sollte man bei Kinderwunsch übermäßigen Stress, Alkohol- und Nikotinkonsum vermeiden.

Wenn es trotz mehrmonatigen oder gar mehrjährigen Versuchen (regelmäßiger, ungeschützter Geschlechtsverkehr) nicht klappt, dass du schwanger wirst, solltest du dich erstmal bei deinem Frauenarzt oder in einer auf künstliche Befruchtung spezialisierten Praxis vorstellen. Man wird dich erst einmal gründlich befragen (Anamnese erstellen), untersuchen und eventuell schon dein Blut auf deine Hormonsituation hin untersuchen. Man wird einen Ultraschall deiner Gebärmutter und deiner Eierstöcke machen, um eventuelle Probleme zu erkennen. Man wird außerdem deine monatlichen Zyklen analysieren

(Zyklusprotokoll, Basaltemperaturmessung). Du wirst ausführlich beraten und eventuell werden Hormone verschrieben, um eure Chancen auf ein Kind zu erhöhen. Ebenso sollte sich dein Mann untersuchen lassen und ein Spermiogramm anfertigen lassen. Dieses Spermiogramm gibt Auskunft über die Menge und Qualität seiner Samen.

Weiterführende Untersuchungen sind außerdem ein Postkoitaltest, bei dem die Spermien deines Mannes in deinem Gebärmutterhalsschleim 12 Stunden nach Geschlechtsverkehr untersucht werden. Eine Beurteilung deiner Gebärmutterschleimhaut im Verlaufe des Monatszyklus mittels Ultraschall kann auch folgen.

Je nachdem, welche Probleme eine Schwangerschaft bei dir bisher verhindert haben, wird man verschiedene Maßnahmen einleiten, um euch zum Wunschkind zu helfen.

- Insemination Bei der Insemination wird der Frau zum Zeitpunk des Eisprunges gereinigtes und aufbereitetes Sperma direkt in die Gebärmutter eingespritzt. Aufbereitet bedeutet, dass langsame und qualitativ schlechte Spermien aussortiert werden. Eventuell bekommst du begleitend noch eine Hormontherapie. Eine Insemination kann mit Sperma vom eigenen Partner, oder sollte dieser eine sehr schlechte Spermaqualität oder ein völliges Fehlen von Spermien aufweisen, mit Spendersperma erfolgen.

- In- vitro- Fertilisation (IVF) Diese Methode der künstlichen Befruchtung im Reagenzglas wird angewendet, wenn mehrere erfolglose Inseminationen stattfanden, wenn die Frau verschlossene Eileiter hat (wenn sich Eizelle und Spermium also nicht treffen können) oder die Spermienqualität des Mannes nur unzureichend ist.

Bei dieser Methode bekommt die Frau Hormone, die mehrere Eizellen in einem Behandlungszyklus gleichzeitig heranreifen lassen. In einem normalen Zyklus ohne Hormone reift in der Regel nur eine Eizelle heran. Diese Eibläschen werden zum optimalen Zeitpunkt durch die Scheide in einer kurzen Narkose abpunktiert. Die gewonnenen Eizellen werden dann im Reagenzglas mit den Spermien des Ehemannes vermischt. Das Spermium dringt aus eigener Kraft in die Eizelle ein. Etwa drei Tage später werden dann maximal drei befruchtete Eizellen zurück in die Gebärmutterhöhle der Frau gesetzt.

-ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)

Bei der ICSI- Behandlung wird im Unterschied zur IVF, das Spermium direkt in die Eizelle injiziert. Dies wird angewendet, wenn die Samenqualität des Mannes sehr schlecht ist oder zwei IVF-Versuche fehlgeschlagen sind.

-IVM (In-vitro-Maturation)

Unreife Eizellen, d.h. ohne oder nur nach kurzer hormoneller Stimulation, werden abpunktiert und außerhalb des Körpers in einem Kulturmedium bis zur Reife kultiviert. Dann erfolgt entweder eine IVF oder ICSI und der Embryo wird in die Gebärmutter eingesetzt. Diese Methode wird bei Patientinnen angewendet, die unter polyzystischen Ovarien leiden, es ein Risiko für das Überstimulationssyndrom gibt  oder Tumorpatientinnen. Dieses Verfahren ist noch in der Erprobungsphase.

Wie effektiv sind die verschiedenen Methoden?

Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, ist unterschiedlich den verschiedenen Verfahren unterschiedlich hoch. Sie beträgt bei der Insemination ca. 15-20 %, bei der IVF und ICSI- Therapie 15-30%- je nach Anzahl der eingesetzten Eizellen. Nach viermaliger IVF oder ICSI- Therapie liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei 50-60%.

Die Wahrscheinlichkeit, Mehrlinge zu bekommen, beträgt bei der IVF und der ICSI-Therapie etwa fünf Prozent. Dies ist dann der Fall, wenn mehrere Eizellen verwendet werden.

In Deutschland liegt die so genannte Baby-take-Home-Rate (das heißt, die Rate der Paare, die auch wirklich Eltern werden) bei 13 bis 15 Prozent.

Gar nicht selten ist auch das Phänomen zu beobachten, dass ein Paar, trotz vielleicht mehrjähriger Versuche der künstlichen Befruchtung den Gedanken, ein eigenes Kind zeugen zu können, aufgibt. Und dann die Frau ganz ohne Hilfe einfach schwanger wird. Auch der Urlaub, vielleicht vor dem nächsten anstrengenden Zyklus, führt oft zum gewünschten Erfolg. Ursache ist auch hier einfach die Entspannung, der Druck, der von einem abfällt.

Sollte es, trotz aller Versuche und Anstrengungen, nicht klappen, dass du schwanger wirst oder du wirst vielleicht sogar schwanger, kannst das Kind aber nicht austragen, weil du eine Fehlgeburt erleidest, so solltet ihr euch nicht scheuen, auch euch eure Gedanken über eine mögliche Adoption zu machen.

Eine künstliche Befruchtung bedeutet in jedem Fall eine große psychische Belastung für das Paar und nicht selten leidet die Partnerschaft sehr unter der Situation. Jedes Mal, wenn es dann doch wieder zu einer Monatsblutung kommt, kann wieder eine kleine Welt zusammenbrechen. Zusätzlich belasten dann speziell die Frau die Hormongaben, die Spritzen, die Eizellentnahmen, das Einsetzen der befruchteten Eizellen oder das Injizieren des Spermas in die Gebärmutter.

Oft fühlen sich die Betroffenen in der Situation allein gelassen, denn selten sucht man sich Rat bei Freunden oder der Familie, weil es noch immer häufig ein Tabuthema zu sein scheint. Wenn man sich jedoch die Zahlen der betroffenen Paare ansieht, wird einem bewusst, dass dies kein seltenes Phänomen ist! Es betrifft sehr viele Paare und man sollte sich deshalb auch trauen, offen über das Thema und eure Situation zu reden und euch Hilfe zu suchen. Es ist nicht euer Versagen, dass du nicht schwanger wirst.

Was für Kosten sind zu erwarten?

Die Kosten für alle Arten der künstlichen Befruchtung werden in den ersten drei Behandlungszyklen zu 50% von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Dies ist jedoch nur der Fall bei verheirateten Paaren. Die Kostenübernahme ist außerdem an verschiedene Bedingungen geknüpft,  z.B muss das Alter der Frau zwischen 25-40 und das Alter des Mannes zwischen 25-50  liegen. Alle Details sind in den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über ärztliche Maßnahmen zu künstlicher Befruchtung zu finden(www.q-ba.de).

Die Priaten Krankenkassen übernehmen die Kosten auch bei Nichtverheirateten.

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