Die Eröffnungsphase – der Muttermund geht auf

Wenn du in der Klinik ankommst, wird man zu allererst nach dem Baby schauen und sich überzeugen, dass es ihm gut geht. Dazu legt man ein CTG an. Mit dem CTG schreibt man die Herztöne vom Baby und gleichzeitig die Wehentätigkeit auf.  Außerdem wirst du vaginal untersucht werden um festzustellen, ob und wie weit sich dein Muttermund schon geöffnet hat.
Bei dieser Untersuchung kann man außerdem feststellen, ob noch Gebärmutterhals (Zervix) steht und wo das Köpfchen vom Baby ist. Der Gebärmutterhals ist eine Art Zapfen, der die Gebärmutter in der Schwangerschaft verschlossen hält. In der Schwangerschaft ist dieser in die Scheide rein ragender Zapfen ca. 3-5cm lang. Durch die Vorwehen wird die Zervix weicher und verkürzt sich schon etwas. Unter der Geburt verschwindet sie völlig, erst danach öffnet sich der Muttermund. Bei Frauen, die schon ein Kind geboren haben, gehen die Verkürzung des Gebärmutterhalses und die Öffnung des Muttermundes gleichzeitig vorran.
Das Köpfchen vom Baby wird unter der Geburt zunehmend weiter ins Becken gedrückt werden kommt immer tiefer.
Der Muttermund wird sich im Verlauf der Eröffnungsphase bis 10cm öffnen. Das ist genau der Umfang, den das Köpfchen vom Baby hat. Die Hebamme wird meist so alle zwei Stunden kontrollieren, ob sich der Muttermund weiter öffnet. Öffnet sich der Muttermund stetig, kann man davon ausgehen, dass die Wehen kräftig und gut sind. Zu Beginn der Eröffnungsphase werden die Herztöne deines Babys in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Gegen Ende wird meist eine Dauerüberwachung gemacht werden, da in dieser Phase der Streß für das Baby zunimmt.
Zu Beginn der Eröffnungsphase gehen viele Frauen noch etwas spazieren, um die Wehentätigkeit anzuregen, nehmen ein Bad oder ruhen sich zwischen den Wehen aus und schlafen vielleicht noch etwas. Viele Schwangere verspüren ganz zu Anfang auch noch Hunger und können noch essen. Wenn die Gebärende jedoch keinen Hunger mehr hat, ist das ein ziemlich sicheres Zeichen, dass sie schon unter der Geburt ist.
In einigen Krankenhäusern wird den Frauen ein Einlauf zur Darmreinigung und Wehenanregung angeboten oder üblicherweise durchgeführt. Wenn du das nicht möchtest, lehne ruhig ab. Es gibt keine Statistik, die beweisen würde, dass Einläufe Wehenanregend wirken. Der einzige Grund für einen Einlauf ist Verstopfung (unter der Geburt kommt das fast nicht vor) oder die Angst, beim Pressen Stuhl zu verlieren und man deshalb gehemmt ist. Unter der Geburt neigen jedoch sowiso die meisten Frauen zu Durchfall, so dass dann in der Austreibungsphase der Darm leer ist.
Wenn die Wehen kräftiger werden, lassen sich die Meisten von ihrem Partner am Rücken massieren und probieren verschiedene Stellungen aus, die die Wehen erleichtern. Hilfreich sind Gymnastikbälle, eine schön grosse Matte oder ein Seil an der Decke. Positionen, bei denen man vorn über gebeugt ist, lassen besonders die Schmerzen im Rücken leichter ertragen. Dabei kann dann der Partner auch gut die Gegend um das Steißbein herum massieren oder drücken. Probiert es aus, was dir gut tut. Wenn dir Massieren oder Gehalten werden im Moment nicht gut tun, sage es deinem Partner. Vielleicht brauchst du auch nur seine Anwesenheit oder den frischen kalten Lappen für die Stirn und den Nacken.
Manchmal wird dir deine Hebamme bestimmt Positionen oder Übungen zeigen, weil etwa dein Kind noch nicht die optimale Position im Becken einnimmt oder es dem Kind in einer bestimmten Position nicht gut geht. Meistens wirst du dich aber völlig frei bewegen können und die Stellungen einnehmen können, die dir gut tun.
Wenn deine Fruchtblase schon in der Eröffnungsphase gesprungen ist, wird das Fruchtwasser meist die ganze Zeit immer mal wieder laufen, was unangenehm sein kann. Besonders während der Wehen oder bei Positionswechseln kann es besonders stark laufen. Sorge für dicke Binden und genügend Ersatzkleidung. Aber keine Sorge, dein Kind wird nicht „im Trockenen liegen“, da das Fruchtwasser immer neu produziert wird. Das Fruchtwasser wird im Verlauf der Geburt weniger auslaufen, wenn das Baby mit seinem Köpfchen tiefer in Becken kommt und so abdichtet.
Im Verlauf der Eröffnungsphase werden die Wehen immer kräftiger und schmerzhafter werden.  Meist zieht es anfangs in den Leisten oder am Schambein, später dann auch im Rücken. Die Wehen werden zunehmend kräftiger veratmet werden und die Wehenarbeit wird immer anstrengender werden. Wenn man die Frauen ihre Positionen selbst aussuchen lässt und so wenig wie möglich in den Geburtsverlauf eingreift, kommen die meisten Frauen gut mit den Wehen zurecht, auch wenn alle irgendwann an dem Punkt angelangt sind, das Gefühl zu haben, es nicht mehr schaffen zu können. Aber genau dann ist meist der Muttermund schon ganz auf und die Austreibungsphase beginnt. Manchmal sind jedoch Interventionen nötig, weil es z.B. dem Baby nicht gut geht oder der Muttermund nicht gut aufgeht oder die Wehen nicht effektiv genug sind. Viele Frauen fragen dann nach Schmerzmitteln, besonders beim ersten Kind. Man wird immer zuerst natürliche Methoden, wie ein Entspannungsbad oder Homöopathie oder Akupunktur versuchen. Frage danach, wenn es dir nicht angeboten wird. Sind die Schmerzen dadurch nicht in den Griff zu bekommen, kann man schmerzstillende Infusionen oder Zäpfchen versuchen. Die effektivste Möglichkeit der Schmerzbekämpfung unter der Geburt ist die Peridualanästhesie (PDA). Dabei wird dir ein kleiner haardünner Schlauch zwischen deine Wirbelkörper in Lendenwirbelsäule gelegt, worüber man dann ein Schmerzmittel geben kann. Eine PDA sollte man nicht zu früh legen (das heißt die Frau ist noch nicht richtig unter der Geburt), weil es dann die Wehen wieder hemmen kann und es man dann meist noch einen Wehentropf anschließen muss. Entscheidet sich jedoch eine Frau sehr spät für die PDA, kann es sein, dass die PDA erst nach der Geburt des Kindes wirkt oder man die PDA nicht mehr legen kann, weil das Baby schneller da sein würde. Bis zum Wirkeintritt der PDA sollte man einen Vorlauf von ca. 30 Minuten einplanen. Da der Eingriff vorbereitet werden muss und das Schmerzmittel erst nach ca. 15-20 Minuten anfängt zu wirken.
Man hat herausgefunden, dass eine gute Betreuung unter der Geburt zu weniger Schmerzmittelverbrauch führt. Eine gute Freundin, die auch schon ein Kind geboren hat oder ein liebevoller Partner wirken manchmal schon Wunder. Wichtig ist auch, so wenig wie möglich zu planen. Du musst nicht bestimmte Positionen zu bestimmten Zeitpunkten abarbeiten oder erwarten, dass dein Baby nun genau nach Lehrbuch in der und der Zeitspanne in der bestimmten Position geboren wird. Es kommt meist alles ganz anders und planen kann man eine Geburt schon gar nicht. Mach deinen Kopf frei, lasse dieses einmalige Erlebnis auf dich zukommen und sei offen für alles. So kannst du nicht von nichterfüllten Erwartungen enttäuscht werden. Lasse dich von deinem Körper leiten, er wird dir sagen, wann dir was gut tut. Und ganz wichtig, sei davon überzeugt, dass du das alles sehr gut meistern wirst. Du bist eine starke Frau, und egal was kommt, du schaffst es. Und man kann es wirklich gut schaffen, wenn man an sich undseine Kräfte glaubt. Man denkt manchmal gar nicht, was man für Kraftreserven mobilisieren kann. Man wächst in eine Geburt hinein. Man gewöhnt sich an die Schmerzen und arbeitet mit ihnen. Nur sehr selten fängt eine Geburt plötzlich mit sehr starken Schmerzen an. In der Regel beginnen die Wehen soft und steigern sich dann langsam, so dass man immer besser mit ihnen umgehen lernen kann.
Die Eröffnungsphase dauert bei einer Erstgebärenden meist 10-12 Stunden. Natürlich kann eine Geburt auch wesentlich kürzer oder wesentlich länger dauern. Bei Mehrgebärenden dauert diese Phase meist 6-8 Stunden.

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