Die Austreibungsphase – das Baby wird geboren

Zum Ende der Eröffnungsphase, wenn der Muttermund sich komplett auf ca. 10-11cm geöffnet hat, schließt sich die sogenannte Übergangsphase an. Diese ist gekennzeichnet durch meist stärkeren Blutabgang und hier kommt es häufig zum Blasensprung. Die Gebärenden verspüren zunehmend den Drang zum Mitschieben. In dieser Phase verändern sich die Wehen, sie werden häufig als besonders heftig und unkontrollierbar empfunden. Vermutlich ist das die Folge des Kopfdurchtrittes durch den vollständig eröffneten Muttermund. Wenn der Kopf den Muttermund passiert hat, tritt der Kopf noch ein wenig tiefer allein durch die Kraft der Wehen. Dann wird der Drang mitzuschieben immer stärker und kann kaum noch veratmet werden. In dieser Phase verändert sich der Schmerzcharakter. Die Wehen werden durch den Druck, den das Köpfchen ausübt, als besonders scharf und reizend empfunden. Die Schmerzen strahlen häufig in den Rücken und die Beine aus. Einige Frauen spüren auch einen Schmerz in den Beckenknochen, sie spüren, wie sich das Becken weitet. Obwohl die Wehenschmerzen in dieser Phase der Geburt besonders stark und häufig sind, empfinden viele Frauen diese Phase als Erleichterung, da sie durch das Mitdrücken aktiv mitarbeiten können und ein baldiges Ende der Geburt absehbar ist. Das Wissen um das absehbare Ziel ist so eine starke Motivation, dass alle noch verhandenen Kräfte mobilisiert werden. Eine besonders schöne Motivation ist das Ertasten oder Sehen des kindlichen Köpfchens in der Tiefe. Wenn du dir unsicher bist oder Angst hast, frage deine Hebamme, ob sie dir beim Ertasten deines Babys hilft. Wenn das Köpfchen fast unten am Damm ist, kannst du es auch mit einem Spiegel anschauen. Die Partner haben es da immer leichter und sind sicher im Vorteil, weil sie das Baby meist zuerst erblicken. Aber deren Freude ist genauso Ansporn, noch einmal alle Kräfte zu sammeln und das Baby noch das letzte Stückchen vorzuschieben.
Zunehmend wird dein Damm gedeht, denn das Köpfchen des Babys drängt auf die Welt. Dieser Dehnungsschmerz wird von Wehe zu Wehe etwas stärker werden. Es kann sein, dass in dieser Pressphase kleine Gefäße oder etwas Haut und Muskelfasern am Damm reißen, du wirst davon nichts merken. Einige Frauen empfinden sogar Erleichterung, da der Druck auf den Damm dann abnimmt. Du wirst dem Druck mit Mitschieben nachgeben. Du kannst das Mitschieben nicht mehr veratmen, dabei wirst du ständig das Gefühl haben, das du auf die Toilette musst. Doch es ist nur das Gefühl was entsteht, wenn das Köpfchen auf deinen Enddam drückt und sich so seinen Platz schafft, denn es braucht. In dieser „Pressphase“ wird dann meist auch der ärztliche Geburtshelfer zur Geburt dazu gerufen werden. Das ist in den meisten Kliniken üblich. In der Regel ist der Arzt nur ein Zuschauer, der sich über eine schöne Geburt freut.  Er greift nur ein, wenn es Komplikationen gibt.
Und dann wird das Köpfchen vollends geboren. Meist werden schon mit der nächsten Wehe  die Schultern und der Rest vom Körper geboren, deren Umfang ist schmaler als das Köpfchen.
Das Baby ist da und zeigt meist auch gleich, welch lautes Stimmchen es hat. Dein Baby wird dir auf den Bauch gelegt, in ein warmes Handtuch gehüllt und ihr könnt euch erst einmal kennenlernen.

In der Austreibungsphase tun besonders die aufrechten Positionen wie Stehen oder Lehnen über einen Ball oder das Bett gut. Probiere ruhig auch, dich an deinen Partner zu hängen oder ein paar Wehen im Vierfüßerstand zu verarbeiten. Das Liegen auf der Seite ist besonders bei sehr müden oder erschöpften Frauen zu empfehlen, da sie keine zusätzliche Kraft aufwenden müssen, um sich festzuhalten. Zwischenzeitlich liegt wohl jede Frau mal im Bett. Es tut einfach gut, sich etwas zu erholen. Manche Frauen jedoch können das Kiegen überhaupt nicht ertragen und können die Wehen im Liegen überhaupt nicht verarbeiten.

Welche die ideale Gebärposition für dich ist, solltest du ausprobieren.Wenn es eine Gebärbadewanne gibt und du dir eine Wassergeburt vorstellen kannst, steige besser erst in der Austreibungsphase hinein. Oft ist den Frauen sonst schon sehr früh zu warm oder die Wehen lassen nach und noch bevor das Baby geboren ist, bist du schon wieder raus aus der Wanne. Wenn du also schon in der Eröffnungsphase ein Entspannungsbad genommen hast oder noch immer in der Wanne bist, solltest du für eine Weile raus kommen und dich etwas akklimatisieren.

Egal in welcher Position du dich wohl fühlst und du mit den Wehen am besten zurecht kommst und das Gefühl hast, am besten mitschieben zu können, wir Hebammen können deinem Baby immer gut auf die Welt helfen. Man kann wirklich in fast jeder Position ein Baby gebären. Das mag manchmal für uns Hebammen anstrengend sein, aber es sollte trotzdem selbstverständlich sein, den Frauen ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Natürlich geht deine und die Gesundheit des Babys immer vor, sollte es dem Baby aus irgendeinem Grund nicht gut gehen und man muss die Geburt beschleunigen, wird es nicht immer möglich sein, auf deine Bedürfnisse zu einzugehen.
Die Austreibungsphase dauert durchschnittlich 30-60 Minuten bei Mehrgebärenden und 60- 120 Minuten bei Frauen, die ihr erstes Baby bekommen. In der Regel sollte die Austreibungsphase nicht länger als 2 Stunden dauern.
In der Austreibungsphase wird der Druck auf das kindliche Köpfchen immer größer, deshalb überwachen alle Kliniken die kindlichen Herztöne dauerhaft mit dem CTG, um beurteilen zu können, wie es dem Baby geht. Es ist manchmal unbequem, so „verkabelt“ zu sein, doch dient es der Gesundheit deines Kindes in dieser sensiblen Phase.

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