Das Baby ist da! Erstes Kennenlernen, Bonding, Anlegen an die Brust, Erstversorgung U1

Nachdem erst das Köpfchen, dann die Schultern, Arme, Bauch und Beine deines Babys geboren werden, wird dir dein Kind auf den Bauch gelegt, nachdem du es dir bequem gemacht hast. Deine Hebamme wird eventuelle Blut- oder Fruchtwasserreste vom Gesicht deines Babys wischen und bei eventuellen Startschwierigkeiten seinen Rücken massieren. Wenn dein Baby besonders viel Fruchtwasser geschluckt hat und deshalb schlecht atmen kann, wird man mit einem dünnen Schlauch die Nase und den Mund absaugen. Das wird meist mit Protestgeschrei attestiert.

Dein Baby ist noch durch die Nabelschnur mit dir verbunden. Die Hebamme oder dein Partner wird die Nabelschnur durchtrennen nachdem eine Nabelklemme gesetzt wurde, die verhindert, dass das Baby einen Blutverlust erleidet. Die Nabelklemme wird dein Baby behalten, bis der Nabelschnurrest ganz getrocknet ist. Das dauert meist so 3 Tage.

Je nachdem wie erschöpft dein Baby ist, wird es früher oder später nach deiner Brust suchen. Du kannst das Köpfchen leicht führen, so dass sein Mund den Weg findet. Wenn es nicht klappt oder du dir unsicher bist, wird dir deine Hebamme dabei helfen. Hat dein Baby deine Brustwarze gefunden, wird es schon genüsslich daran saugen und schon etwas Vormilch trinken. Du wirst erstaunt sein, wie stark dein kleines Baby schon saugen kann. Das ist ein angeborener Reflex und er funktioniert perfekt. Ideal ist es, wenn die Baby innerhalb der ersten 30 Lebensminuten an deiner Brust getrunken hat. Du förderst damit eure Stillbeziehung und das Kennenlernen(Bonding). Lass dich auf keinen Fall entmutigen, wenn dein Kleines noch faul ist und noch kein Interesse an der Brust zeigt. Gib deinem Baby Zeit, sich an unsere, für seine Verhältnisse, helle und kalte Welt zu gewöhnen. Wenn dein Baby noch Probleme hat, deine Brustwarze zu fassen, habe Geduld. Mit etwas Übung wird es dein Baby schaffen. In nur ganz seltenen Fällen kann eine Mutter nicht stillen, weil ihr Baby die Brustwarze nicht zu fassen bekommt. Das kann z.B bei Hohl- oder Flachwarzen der Fall sein. Doch auch in diesen schwierigen Fällen wissen die Hebammen Tricks und ein Baby passt sich fast immer den Gegebenheiten seiner Mutter an, wenn ihm Zeit gegeben wird.

Wenn ihr (erstmal) genug gekuschelt und euer Baby fasziniert angesehen habt, wird es Zeit für die Neugeborenen-Erstuntersuchung(U1) und das Messen und Wiegen. Wenn es der Krankenhausbetrieb und der Zustand des Babys erlaubt, darf das Kuscheln ruhig Stunden dauern, doch meist überwiegt die Neugierde über das Gewicht und die Länge. Die U1 wird deine Hebamme noch im Kreißsaal durchführen. Sie schaut nach äußeren Auffälligkeiten oder Besonderheiten. Sie untersucht unter anderem die Schädelnähte (Fontanellen), die Augen, den Mund und den Gaumen, die Ohren, den Oberkörper, die Geschlechtsteile, den Nabelschnurrest, Füße und Arme, den Rücken und die Wirbelsäule, die Haut. Der Puls wird getastet, die Lungen und das Herz abgehört. Sollte die Hebamme irgendwelche Besonderheiten feststellen, wird sie einen Kinderarzt zur weiteren Diagnostik dazurufen. Die U2, die Neugeborenen-Basisuntersuchung, findet zwischen dem dritten und zehnen Lebenstag statt. Sie wird meist noch in der Klinik von einem Kinderarzt durchgeführt.

Nach der U1 wird das Gewicht, die Länge und der Kopfumfang deins Babys ermittelt. Das normale Gewicht eines Neugeborenen liegt zwischen 2500g und 4000g, durchschnittlich wiegen deutsche Neugeborene 3300-3500g, wobei immer häufiger schwerere Kinder geboren werden. Die durchschnittliche Länge eines Neugeborenen ist 50-52cm. Als normal gilt eine Länge von 48-56cm. Wobei medizinisch gesehen die Länge des Babys eher unwichtig ist. Der normale Kopfumfang, gemessen von der Stirn zum Hinterkopf, liegt bei 32-37cm.

Wenn die Erstuntersuchung abgeschlossen ist, ist es Zeit, das Baby anzuziehen. Gebadet werden die Kleinen nur noch selten direkt nach der Geburt. Die zarte Haut braucht nicht gleich nach der Geburt mit Badewasser strapaziert werden, außerdem kann ein Bad die Kleinen sehr schnell auskühlen. Das erste Bad sollte im Laufe der ersten Lebenswochen zu Hause in entspannter Atmosphäre stattfinden. Deine Hebamme wird dir das Baden zeigen.
Sollte dein Baby, was selten der Fall ist, wirklich sehr blutig sein, reicht eine Katzenwäsche mit einem Waschlappen. Sollte dein Baby noch Käseschmiere am Körper haben, wird diese erstmal belassen. Das ist einmal eine wunderbare „Pflegecreme“, andererseits noch ein kleiner Wärmepuffer. Die Käseschmiere kann entfernt werden wenn sie anfängt, unangenehm zu riechen. Meist ist sie bis dahin von der Haut aufgenommen und schon wieder verschwunden.
Wenn das Baby untersucht ist, wird es das erste Mal angezogen. Das übernimmt immer gerne der stolze Vater und lässt sich dabei von der Hebamme unterstützen. Die ersten Male wird es natürlich etwas dauern und es klappt auf Anhieb meistens nicht perfekt, doch schon am nächsten Tag wird es viel besser laufen.Du und dein Mann sollten sich beim Windelwechsel abwechseln oder dein Mann übernimmt diese Arbeit in den ersten Tagen ganz allein, denn das längere Stehen unter der Wärmelampe wird dir meist in den ersten Tagen nicht gut tun.

Wenn dein Baby angezogen und gewickelt ist, bekommt es 1-2 Tropfen Vitamin K in den Mund geträufelt. Das Vitamin K ist ein Vitamin, welches bei der Blutgerinnung eine wichtige Rolle spielt. Fehlt es, wie bei Säuglingen häufig der Fall, kann es zu inneren Blutungen, meist Gehirnblutungen kommen(besonders nach langen Austreibungsphasen oder z.B. nach einer Saugglockenentbindung). Die Vitamin K Gabe wird bei der U2 und der U3 wiederholt werden. Möchtest du keine Vitamin K Gabe oder eine andere Darreichungsform(Anthroposophen geben eine niedrige Dosis täglich über 12 Wochen), musst du deine Hebamme informieren.

In einigen Krankenhäusern ist die routinemäßige Gabe von Silbernitrat-Lösung in die Augen des Neugeborenen noch immer üblich(Crédesche Augenprophylaxe). Dies verhindert eine Augeninfektion mit Gonokokken wenn es rasch nach der Geburt gegeben wird. Die stark in den Augen brennende Flüssigkeit hilft ausnahmslos gegen die die Gonorrhoe(Tripper) auslösenden Bakterien Neisseria gonorrhoeae. Da in Deutschland der Tripper nur noch sehr selten auftritt, ist eine routinemäßige Gabe der Augentropfen nicht mehr gerechtfertigt. Wenn es einen gegründeten Verdacht gibt, sollten die Tropfen natürlich gegeben werden.

Nun hat dein Baby die erste „Routine“ überstanden und kann zurück zur Mama oder in Papas Armen schlummern. Wenn du dich gut fühlst, kannst du eine Dusche nehmen und dich etwas frisch machen. Bist du noch sehr wackelig auf den Beinen, kann dich deine Hebamme oder dein Partner im Bett mit einer Katzenwäsche etwas frisch machen. Langsam wirst du auch hungrig sein. In den meisten Kreißsäalen gibt es etwas zu Essen, sonst musst du dich noch etwas gedulden bis du auf die Wochenbettstation verlegt wirst.

Nach ungefähr zwei bis drei Stunden wirst du, wenn alles in Ordnung ist, auf die Wochenbettstation verlegt. Möchtest du ambulant nach Hause gehen, wirst du in der Regel mindestens vier Stunden nach der Geburt im Kreißsaal verbringen.

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